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Bernd Guggenheimer sagte einmal, das erst die Kunst es ermögliche, hinter der Welt des faktisch Wirklichen" die gewaltige Welt des Möglichen zu entdecken. Wo aber entsteht diese Welt des Möglichen als Antwort auf drängende soziale, ökologische und ökonomischer Fragen?

Die klassische Ökonomie sieht das Ende der ökonomischen Kette bis heute im Konsum. Für sie ist ein Produkt, welches sich gut verkaufen lässt, allein aufgrund dieser Tatsache ein gutes Produkt. Der englische Sozialreformer John Ruskin befand dies bereits Mitte des 19. Jahrhunderts als Irrglauben. Das Ende der ökonomischen Kette könne immer nur das Leben selbst sein, an dem sich Produkte und Dienstleistungen messen lassen (müssen). Nur wenn diese das Leben erhalten und erweitern, sei das entscheidende Kriterium erfüllt. Es entstand eine Maxime, die wir unserer unternehmerischen Handel(n) zugrunde legen möchten.

Damit liegt der Sinn von Produktion nicht im Entstehen von Dingen, sondern in der möglichen zweckmäßigen Verwendung. So ist der Verbrauch zwar Endzweck aller Produktivität, das Leben jedoch ist Endzweck des Verbrauchs. Letztendlich liegt hier auch eine große emazipatorische Komponente der Ökonomie, denn: Weiser Verbrauch ist eine weitaus schwierigere Kunst, als weise Produktion". (Ruskin)

In unserer Kultur werden Künstler und Unternehmer in der Regel als Gegensätze gesehen. Danach kreiert der Künstler seinen eigenen Stil, folgt seinen Visionen, der Unternehmer hingegen ist Vertreter des ökonomischen Kalküls, dem es in erster Linie darum geht, Gewinne zu erzielen. Ein solcher Unternehmer ist im Grunde mehr ein Verwalter, wie der englische Begriff buisiness administration auch deutlich macht.
Es ist vielleicht kein Zufall, dass sich für den Begriff Entrepreneurship in der deutschen Sprache keine Entsprechung findet. Im Gegensatz zum klassisch verstandenen Unternehmertum und Management betont Entrepreneurship die originäre Idee, den Anfang und das Risiko.
Der Entrepreneur verwirklicht Ideen zur Verbesserung der Lebensqualität, bietet sinnvolle Dienstleistungen oder bessere Produkte an. Damit gemeint sind auch Unternehmer, die nicht ständig neue Bedürfnisse herauskitzeln, sondern auf vorhandene Probleme und Bedürfnisse mit sozialer und ökonomischer Phantasie antworten. Gesucht werden Querdenker, Künstler und Entrepreneure, die neue Horizonte erschließen: Entrepreneurship als schöpferische Tätigkeit, der Entrepreneur als Künstler.

Für eine solche Herangehensweise ist das Studium der Ökonomie nicht nur nicht erforderlich, sondern verhindert zumeist die schöpferische Entwicklung einer ökonomischen Idee. In ihrem Buch Body & Mind schreibt Anita Roddick von The Body Shop: Wissen ist nicht das Geheimnis, Geld auch nicht. Was man braucht ist Optimismus, Menschlichkeit, Begeisterungsfähigkeit, Intuition, Neugier, Liebe, Humor, einen Sinn für Freude, Magie, Spaß - und eine Prise von dem Zaubermittel Euphorie. Keines von diesen Dingen steht auf dem Lehrplan der Wirtschaftsakademien."

Wir wünschen uns für die Zukunft mehr Unternehmer von denen man eines Tages sagen kann:
... ihre Tätigkeit war Kunst, und ihre Spur ist Schönheit."

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